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Zeitreise : Im Jahr 1918 freute sich das Kolpingblatt

über Respekt vor dem Gegner.

Das vor 100 Jahren in Köln errichtete Kolpingdenkmal hat nicht nur stürmische politische Zeiten, sondern auch zwei Weltkriege überdauert. Als die preußische Regierung das Denkmal während des 1. Weltkrieges einschmelzen wollte, verhinderten dies Vertreter aller Parteien.

1918 gab es große Empörungen in Köln. Die preußische Regierung in Berlin hatte verfügt, das Bronzedenkmal "als Kriegsopfer" einschmelzen zu lassen und das, obwohl es doch in jeder deutschen Stadt Bronzedenkmäler "in reichlicher Auswahl" gab, wie das Kolpingblatt damals selbstbewusst beschrieb. Nein, es sollte ausgerechnet das Kolpingdenkmal in Köln fallen! Ein Gnadengesuch des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer verfehlte seine Wirkung. Am 8. August 1918 befasste sich der Rat der Stadt Köln mit der Angelegenheit. Zunächst wurde beschlossen, einen Protest des damaligen Generalpräses Schweitzer zu unterstützen. Das Erstaunliche: Alle drei Fraktionen von Zentrum, Liberalen und Sozialdemokraten waren sich einig und bekundeten die tiefe Bedeutung "des Denkmals für das Denken und Fühlen der Kölner Bevölkerung ohne Unterschied der Weltanschauung".

Das Kolpingblatt hob damals besonders den Redebeitrag des Sozialdemokraten Sollmann hervor, der sagte: "Kolpings Weltanschauung ist nicht die meinige. Aber man soll hervorragende Verdienste auch bei dem Gegner anerkennen. Die Gründung und Förderung des Gesellenvereins war für Kolpings Zeit eine Tat von geschichtlicher Bedeutung." Außerdem verwies er darauf, dass das Denkmal "aus den kleinen Beiträgen von Arbeitern und Handwerkern aufgebaut" worden sei. Die preußische Regierung in Berlin gab daraufhin nach.

Auch den zweiten Weltkrieg überstand das Denkmal trotz zahlreicher Bombeneinschläge in der unmittelbaren Nachbarschaft, wo Generalsekretariat und Minoritenkirche weitgehend zerstört wurden. Das Standbild wurde lediglich auf seinem Sockel verschoben und bereits 1945 mit Winden und Kran wieder in die richtige Lage gebracht. - M.G.

Das hundertjährige Jubiläum hat den 19. September 2003 als Termin.

(aus: KOLPINGBLATT, Juli 2003)

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