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Zeitreise in das Jahr 1867 : August Bebels Wanderjahre

--- Katholische Gesellenvereine prägten den Mitbegründer der sozialdemokratischen Partei ---

Trotz Kulturkampf lagen die katholischen Arbeitervereine und die Arbeitervereine der Sozialdemokraten im 19. Jahrhundert nicht weit auseinander. Auch wenn es für Sozialdemokraten in einigen Fällen unmöglich war, Mitglied in einem katholischen Arbeiterverein zu werden, so waren die Grenzen doch meist formaler Natur. Gleichsam katholisch geprägt waren Mitglieder der sozialdemokratischen sowie der katholischen Arbeiter- und Gesellenvereine.

Das wohl bekannteste Beispiel ist der Begründer der deutschen Sozialdemokratie selbst: August Bebel. Der in Köln-Deutz geborene Sohn eines Unteroffiziers lernte in dem Kölner Industrieviertel schnell das Arbeitermilieu kennen. Geprägt wurde der Protestant auch durch das katholische Milieu, das er in der Rheinmetropole und später in den ärmlichen Verhältnissen in Wetzlar kennen lernte. Als Drechslergeselle fühlt sich der 18-jährige Bebel zu den katholischen Gesellenvereinen hingezogen. In Freiburg im Breisgau, wo Kolpingsfamilien auch heute noch eine prägende Tradition haben, wird der spätere Marxist Mitglied. "Während meines Aufenthaltes in Süddeutschland und in Österreich habe ich in Freiburg und Salzburg dem katholischen Gesellverein als Mitglied angehört und habe es nicht bereut", schreibt Bebel in seiner Biografie "Aus meinem Leben". Bebel erinnert sich, dass "zum Glück zu jener Zeit" noch nicht der Kulturkampf bestand. In diesen Vereinen herrschte auch gegen Andersgläubige volle Toleranz. "Der Präses des Vereins war stets ein Pfarrer", schreibt Bebel. Sein Gedächtnis war noch so gut, dass er sich an den Präses des Freiburger Vereins, Professor Alban Stolz, erinnerte.

Bebel sucht in seiner Gesellenzeit zum Drechslermeister in den katholischen Gesellenverein Kontakt zu Gleichaltrigen und die Gemeinschaft. Nicht zuletzt auch Hilfe auf seiner Gesellenwanderschaft. Ausgewiesen mit dem Wanderbuch, auf dessen erster Seite der heilige Josef mit dem Christkind auf dem Arm abgebildet ist, hält Bebel Einkehr in München, Salzburg und Freiburg. In Freiburg lernt Bebel den Gründer, Pfarrer Adolph Kolping, bei einem Vortrag kennen. Dass die katholischen Gesellenvereine schon damals ökumenisch waren, fiel auch August Bebel auf. Als er in der Salzburger Kolpingsfamilie Mitglied wird, sind von den 200 Mitgliedern 33 Protestanten. "Fast alle Norddeutsche", wie Bebel erfährt.

Zum damaligen Vereinspräses Dr. Schöpf entsteht eine freundschaftliche Beziehung, an die sich der spätere Gründer der SPD gern erinnerte, wie er im ersten Teil "der Lehr- und Wanderjahre" in seinen Memoiren beschreibt. Ein Jahr später schloss sich Bebel der deutschen Arbeiterbewegung an und wurde 1867 Vorsitzender des Verbandes "Deutscher Arbeiterbildungsvereine". Ein Jahr vorher hatte er zusammen mit Karl Liebknecht die "Sächsische Volkspartei" gegründet, für die er zusammen mit Liebknecht in den Norddeutschen Reichstag einzog. Der Rest ist Geschichte.

(Quelle: "Soziale Ordnung"/Magazin von CDA und CSA für christlich-soziale Politik)

Diese interessante Information wollte ich Euch nicht vorenthalten.

Siegfried Braun (in: KOLPING IM ERZBISTUM BERLIN * Juni 2002)

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