"Kolping-Tag"  A.D. 2000 :

Eine Stadt in Orange

22 000 Gläubige feierten Jubiläum der Bewegung

Von Stephan Kahl

Mit einem riesigen Schlafdefizit verabschiedete sich am Sonntag Familie Pyritz vom Kolping-Tag in Köln. Extra aus Bayreuth waren Vater Norbert, Mutter Bernadette und Tochter Silvana angereist. Tagsüber besuchten die drei offizielle Veranstaltungen des Kolping-Werks, abends trafen sie sich mit Freunden. Da blieb nur wenig Zeit zum Verschnaufen.

Aber der Stress habe sich gelohnt. "Tolle Atmosphäre, tolle Organisation", lobt Bernadette Pyritz. "Schön, dass so viele junge Leute dabei waren. Gerade die sind es ja, die sonst beim Thema Religion abschalten."

Nach Angaben der Veranstalter haben insgesamt 22 000 Menschen den Kölner Kolping-Tag besucht und so den 150. Geburtstag der christlich-sozialen Bewegung gefeiert. Weltweit gehören ihr rund 500 000 Mitglieder an. Diskussionsrunden und ein "Markt der Möglichkeiten", bei dem sich Gruppen der Organisation vorstellten, gehörten zum Jubiläums-Programm.

Überall in der Stadt dominierte die Farbe Orange - auf T-Shirts, Mützen und Fahnen. Das Symbol des Kolpingwerks ist schwarzorange gehalten.

Freude über Wiedersehen

Eine Show mit viel Musik und Kleinkunst in der Kölnarena hatte am Freitag den Startschuss für das Treffen geben. Rund 16 000 Gläubige schunkelten mit, darunter auch Familie Pyritz. Eher zufällig traf sie alte Bekannte - Kolpingfreunde aus Berlin. In der Hauptstadt waren die Pyritz' noch bis vor kurzem zu Hause. "Mit Bockwurst wurde das Wiedersehen gefeiert", erzählt Mutter Bernadette.

Und Tochter Silvana fügt hinzu: "Wir haben geknuddelt und vor Freude geschrieen." Seit sechs Jahren gehört die 16-Jährige dem Kolpingwerk an, ebenso wie der Rest der Familie. "Wir schätzen die Geborgenheit, die wir hier finden. Man ist nie mit seinen Sorgen allein", sagen die drei. Ihr erster Abend in Köln endete erst gegen ein Uhr nachts.

Nur wenige Stunden später mussten sie schon wieder aus den Federn. Sie wollten zu einem Jugendgottesdienst in St. Kunibert. Der begann bereits um neun Uhr. Hinterher war besonders Silvana Pyritz froh, den inneren Schweinehund überwunden zu haben. "Schöner Gottesdienst. Die Musik kam viel temperamentvoller daher als sonst."

Enttäuschung machte sich dagegen bei all jenen Besuchern des Kolping-Tags breit, die sich für den Besuch von Diskussionsrunden entschieden hatten. Angekündigte Referenten wie die Bundesministerinnen Christine Bergmann und Heidemarie Wieczorek-Zeul kamen nicht.

Die freie Zeit am Samstagabend nutzten viele Teilnehmer des Kolping-Tags, um durch die Stadt zu schlendern. Vor allem den Wirten zauberte das ein Lächeln aufs Gesicht - in vielen Kneipen drängten sich die Besucher. Gegen Mitternacht erwiesen sich einige Kolping-Brüder dann auch noch als Lebensretter.

Auf der Hohenzollernbrücke bemerkten sie einen Mann, der sich gerade in den Rhein stürzen wollte. Die Gruppe hielt den 36-Jährigen fest, bis die Polizei eintraf.

In seiner Abschluss-Predigt am Sonntag sagte Erzbischof Joachim Kardinal Meisner im Müngersdorfer Stadion, das Kolpingwerk gebe vielen Mensch Halt. Man könne Gründer Adolf Kolping gar nicht genug danken. Die Veranstalter des Treffens sind mit dem Wochenende zufrieden, bedauern aber das schlechte Wetter. "Mit Sonne wären mehr Leute gekommen", meinte ein Sprecher.

Nach dem Gottesdienst stand Familie Pyritz im Stau. Als alle Teilnehmer zu ihren Wagen strömten, gab es von den Parkplätzen kein Entkommen. Erst nach einer Stunde ging's für die Bayreuther weiter. Einen Zwischenstopp in Aachen mussten sie abblasen, die Zeit war zu knapp. Trotzdem: "Wir sind beim nächsten Mal wieder dabei."

(Die Originalseite gab's unter: "http://www.kolping.de/kj/bez-olpe/kotag/ksta.html")

 

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