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Vater, vergib

  Gegen das Vergessen !

Am Freitag, dem 8.5.2015, 70 Jahre nach Beendigung des 2. Weltkrieges, fand ein ökumenischer Gedenk- und Dankgottesdienst in der Martin-Luther-Gedächtniskirche zu Berlin-Mariendorf statt.

Beteiligt an diesem Gottesdienst waren die katholische Kirchengemeinde Maria-Frieden und die evangelische Kirchengemeinde Mariendorf mit ihren Geistlichen Pfr. Vinsensius N.E. Visca und Pfr. Hans-Martin Brehm. Weitere Gestalter waren Lektorinnen und Lektoren der Gemeinden sowie beide Kirchenchöre, die den Gottesdienst eindrucksvoll mit ihrem Liedgut, insbesondere mit Stücken aus der Gounod-Messe, gestalteten.

Es war kein Gottesdienst zum Feiern, sondern - dem Ernst des Themas angepasst - ein Erinnern, ein Vergegenwärtigen und ein zukunftsweisender Dienst, der durch die Vielzahl der anwesenden Gemeindeglieder beider Pfarreien bestärkt wurde. Insbesondere das Erinnern an die Schrecken des Krieges, des Völkermordes und das menschenverachtende Handeln der nationalsozialistischen Gesellschaft, machte deutlich, was von deutschem Boden in die Welt getragen wurde.

Erinnert wurde ohne Ausnahme an alle Opfer, so wie es unseren christlichen Werten entspricht.

Bei der Versöhnungslitanei von Coventry, vorgetragen von den Lektorinnen und Lektoren und den Bitten aus der Gemeinde mit den Worten: „Vater vergib", wurde ganz deutlich, worauf wir weiterhin achten und was wir notfalls auch bekämpfen müssen.

Wären diese Worte nicht bereits vor mehr als 2000 Jahren von dem ans Kreuz geschlagenen Sohn Gottes für seine Schinder gesprochen worden, müsste man sie ad absurdum führen, wenn man an die 60 Millionen Kriegsopfer denkt. Wie soll man so etwas vergeben können? Die Kraft dieser Worte hat bis zum heutigen Tag angehalten und hat immer wieder Menschen dazu gebracht, sie zu leben. Siehe hierzu den Domprobst zu Coventry, Richard Howard, der in Anlehnung an das Lukas-Evangelium vergib!" diese Worte „Vater vergib" in die Wand der zerstörten Kathedrale meißeln ließ, zur ständigen Fürbitte.

In seiner Predigt bezog Pfarrer Brehm eindringlich die Martin-Luther-Gedächtniskirche mit ein, weil sie den Zeitgeist widerspiegelt, den Aufbruch in das sogenannte 1000-jährige Reich der Nationalsozialisten.

Gleichzeitig warnte er aber auch vor den immer noch herrschenden Gefahren wie Neid, Missgunst und Fremdenhass in unserer Gesellschaft, denen wir uns entgegenstellen müssen, um glaubwürdig zu sein und zu bleiben.

Nach Dank, Fürbitte und dem „Vater unser" sowie einem musikalischen Abschluss, war dieser denkwürdige und schöne Gottesdienst beendet - ein weiterer Schritt in eine gelebte Ökumene!

Schon heute erlauben wir uns, auf den nächsten ökumenischen Gottesdienst am 27.09. um 18.30 Uhr in der kath. Kirche Maria Frieden, Kaiserstraße 27/29 in 12105 Berlin hinzuweisen. Nach diesem Gottesdienst besteht die Möglichkeit der Begegnung und des Austauschs in gemütlicher Runde. Achten Sie auf die entsprechenden Veröffentlichungen zu diesem Tag!

Horst Thadewaldt

 

Das möchten wir noch anmerken: Die Bedeutung dieses Gottesdienstes und der Wunsch, an diesem Gedenkgottesdienst teilzunehmen, wurde durch zwei bemerkenswerte Entscheidungen deutlich gemacht. Zum einen: Die katholische Kirchengemeinde Maria Frieden hat beschlossen, die normalerweise am Freitag Abend stattfindende Hl. Messe auf den Morgen und das tägliche Rosenkranzgebet auf 17.00 vorzuverlegen; so konnten doch auch viele katholische Schwestern und Brüder an diesem Gottesdienst teilnehmen. Zum anderen: Der Gemeindekirchenrat von Alt-Tempelhof, der an diesem Freitag eigentlich um 18.00 Uhr seine Sitzung gehabt hätte, hat diese Sitzung auf 19.30 Uhr verschoben, um geschlossen an diesem Gedenkgottesdienst teilnehmen zu können. Das hat uns sehr beeindruckt!

Klaus Wirbel und Willi Neumann

 

 
 

(aus: "Deine Gemeinde Maria Frieden", Juni 2015, Berlin-Mariendorf, S. 10-11)

 
 

Ökumene in Berlin-Mariendorf