Aufbruch (Januar 2005)

 
 

Die diesjährge Bibelwoche zum Lukasevangelium war ganz anders als in den Vorjahren : Pater Hans Ide von den Weißen Vätern eröffnete und beschloss sie in den Sonntagabendmessen, während der Woche trafen wir uns dreimal im Gemeindesaal. Trotz Winterferien waren immer 18-20 Personen dabei, zum Teil auch aus evangelischen Gemeinden. Zwei Klippen umschifften wir unter der erfahrenen Leitung von P. Ide: es kam nicht zu "Expertenausführungen" über exegetische Detailfragen, ebenso wenig gab es Gelegenheit zu Äußerungen über "Gott und die Welt". Vielmehr erreichten wir durch die gezielten Einführungen gleich eine Gesprächsebene, auf der wir dem Evangelisten Lukas mit seiner ihm eigenen Aussageabsicht begegnen konnten. Diese zeigte sich darin, dass Lukas die gewohnten Denkmuster auf den Kopf stellt und zu einem engagierten Handeln für das Reich Gottes auffordert.

 
  Es begann mit Simeon und Hanna: die alten Leute begegnen dem kleinen Kind. Simeon schaut tiefer und erkennt sein Heil, besser: seinen Heiland. Lebensalter spielt keine Rolle, es geht darum jetzt und hier den "offenen Himmel" zu sehen.

Lukas 4, Jesus in der Synagoge von Nazareth: zunächst erhält er großen Beifall. Als er aber das Selbstverständnis seiner Zuhörer ankratzt, ist es mit der Begeisterung vorbei, sie treiben ihn wütend aus der Stadt und wollen ihn vom Berg hinabstürzen. Jesus orientiert sich nicht am Beifall, es geht ihm darum, bei seinen Zuhörern festgefahrene Denkmuster aufzubrechen, selbst wenn er harte Ablehnung erfährt.

Zu den vier Seligpreisungen der Feldrede im 6. Kapitel gehören auch die vier Weherufe. Statt nun die letzteren schön zu reden oder der Versuchung zu erliegen, die Mitmenschen in Gute und Böse einzuteilen, gilt es, anhand der Wegmarkierungen den eigenen Standort im anbrechenden Reich Gottes zu suchen und danach zu handeln. Die Verhältnisse kehren sich um: ein Reicher kann ganz arm sein und ein Armer ganz reich.

Im 16. Kapitel wird ein ungerechter Verwalter wegen seiner Klugheit gelobt. Jesus rechtfertigt nicht das Unrecht, vielmehr geht es um die Klugheit, den Ideenreichtum und die Kreativität. Lukas fordert von seinen Gemeinden Einsatzfreudigkeit, Energie und Tatkraft.

Schließlich der barmherzige Samariter und Maria und Martha, Kapitel 10, 29-42. Der Priester und der Levit tun ihre Pflicht, halten sich an die Vorschriften, das Gesetz von innen aber erfüllt der Samariter. Auch beim Besuch bei Martha und Maria bricht Jesus gewohnte Konventionen.

 
 

Lukas stellt die Dinge auf den Kopf: gewohnte Denkmuster und Handlungsweisen gelten nicht mehr, man kann sich nicht auf das Mittelmaß verlassen. Das Reich Gottes ist angebrochen und fordert zu neuem Denken und Handeln heraus. Es steckt eine große Ermutigung dahinter den Aufbruch zu wagen, sich für das Reich Gottes einzusetzen. Lukas ist nicht zuletzt auch der Evangelist, der sich für soziales Engagement einsetzt. Die Impulse dieser Woche waren ein Anstoß, der hoffentlich die Teilnehmer weiter beschäftigt und in ihrem Einsatz ermutigt. P. Ide sei ein herzlicher Dank gesagt, hoffentlich lässt sich diese Zusammenarbeit fortsetzen !

 
 

Pfarrer Carl-Heinz Mertz (aus: Deine Gemeinde Maria Frieden, Februar 2005)

 
 

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