Gesang der  Choralschola in der Gemeinde Maria Frieden

 anlässlich der Nacht der offenen Kirchen am 8. Juni 2014

mit einer Einführung von Hrn. Heinrich Rumphorst


In seiner Einleitung dankte Herr Streckenbach als Kirchenmusiker unserer Gemeinde Herrn Rumphorst voll Freude, dass er die Einladung angenommen hat, unsere Choral-Schola für den Pfingstgesang vorzubereiten und in der Nacht der offenen Kirchen die Entstehung und Bedeutung dieses lateinischen Festgesanges zu erklären. Herr Rumphorst wurde nicht nur als Praktiker des Chorals vorgestellt, sondern noch viel mehr als Musikforscher, dessen Recherchen und Analysen europaweit über 1200 Jahre zurückreichen. Schließlich hat er mit einer kleinen Gruppe von Forschern vor drei Jahren die Herausgabe der auf den Ursprung gerichteten Überarbeitung der gregorianischen Sonntagsgesänge erreicht und damit eine direkte Aufforderung des Zweiten Vatikanischen Konzils partiell erfüllt (Liturgie-Konst. 116/117). Die Schola unserer Gemeinde stützt sich für ihren Gesang auf die durch jahrzehntelange Forschung wiederhergestellte Melodiefassung („Restitution“).
*
In den ersten Sätzen seiner Ausführungen ließ Herr Rumphorst es sich nicht nehmen, auch den Wert der Gregorianik in der Politik Karls des Großen, die begriffliche Annäherung zu Papst Gregor und diesen Gesang als einen wesentlichen Ausgangspunkt der europäischen Musiktradition zu skizzieren. Mit seiner Überleitung zu den lateinischen Pfingstgesängen deutete er auf die Schwierigkeiten der damaligen (unbekannten) Komponisten, die Aussagen des Alten Testaments und damit auch der Psalmen in eine liturgisch ausdrucksstarke Melodie zu übertragen, so wie sie der Verkündigung des Evangeliums im Gottesdienst zugute kommen sollte. Ziel des gregorianischen Chorals sei es, die Anwesenden in die Feier des Gottesdienstes durch die melodische Vertonung des Schrift-Textes inhaltlich einzubeziehen. Zu den signifikanten Hinweisen von Hrn. Rumphorst präsentierte die Schola jeweils Teil für Teil den entsprechenden Gesangsauszug. Nach und nach wurde dann aus mehreren Teilen das Ganze zusammengefügt und im Gesang vorgestellt.

Auf diese Weise leicht nachvollziehbar wurden die Interpretationen für die musikalische Begleitung der Heiligen Messe beim Einzug (Introitus) und während der Kommunion gereicht.
Hier nun beispielhaft die kurz gefasste Erklärung für den Introitus:
Während das Wort „Pfingsten“ nur ein aus dem Griechischen gekommenes Zahlwort ist (Pentecostes, der 50. Tag), gibt der Introitus gleich mit dem ersten Wort den Inhalt des Pfingstfestes an: „Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis“. Dabei gibt es einen Hinweis der Wortwahl zu erklären: Die Komponisten waren nicht gezwungen, den Text bei der Übernahme der Heiligen Schrift wörtlich beizubehalten. Dadurch konnten sie die theologische Aussage musikalisch verdeutlichen, wie es ihnen angemessen erschien. In zwei Wörtern wurde der lateinische Quelltext verändert: Auf diese Weise wird in der Mitte des Textes der Geist nicht in seiner Person benannt, sondern sein Wirken in der Welt musikalisch zum Ausdruck gebracht. Weil der Einzug der Priester oftmals länger dauerte, wurde der Text durch zusätzlich angefügte Psalm-Verse ergänzt und eine einfachere Melodie unterlegt. Außerdem mussten zu jedem Psalm ein oder mehrere Halleluja für die zu der Messe ausgewählten Schrifttexte hinzugefügt werden. Durch diese Halleluja wird in der Osterzeit - mit dem Pfingstsonntag - die Freude über die durch Christus bewirkte Erlösung zum Ausdruck gebracht. Es war daher notwendig, dieses Halleluja melodisch so in die Komposition zu stellen, dass es zur musikalischen Aussage als zugehörig empfunden werden konnte.

Spiritus Domini replevit orbem terrarum, alleluia:
Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis,

et hoc quod continet omnia, scientiam habet vocis, alleluia alleluia alleluia.
Und das, was alles zusammenhält, hat Wissen von Sprache. (Buch der Weisheit 1,7)

Exsurgat Deus, et dissipentur inimici eius: et fugiant, qui oderunt eum, a facie eius.
Es erhebe sich Gott, mögen zerstreut werden seine Feinde, und fliehen sollen, die ihn hassen, vor seinem Angesicht. (Psalm 68,1)
*
Nach der Interpretation des Communio-Gesanges wurde noch ein musikalischer Kontrast vorgestellt: Zu dem bekannten „Veni sancte spiritus“ (die Pfingstsequenz von Stephen Langton/1200 n. Chr., „Gotteslob“ Nr.343) stellte die Schola eine zum Zwischengesang zu rechnende Melodie mit einem vergleichbaren Text-Anfang vor, der jedoch in der Wortwahl und der Melodie anders fortfährt. In der Unterschiedlichkeit bot sich dabei eine Bereicherung derart, dass man die beiden Variationen zugleich als abweichend und doch einander zugehörig empfinden kann.
*
Wieder einmal konnte die Choral-Schola unserer Gemeinde Herrn Rumphorst für seine wiederholt gewährte Unterstützung bei der Melodie-Präsentation und die Unterweisung im Choral-Verständnis herzlich danken.
Alfons Knak-Hermanns

Weitere Informationen über das Notieren von Melodiezeichen – siehe oben den Auszug aus dem GRADUALE TRIPLEX – und über unsere seit mehr als 35 Jahren bestehende Choral-Schola sind im Internet zu finden: www.Choral-Maria-Frieden.de.vu

(aus: Monatsheft der Gemeinde Maria Frieden, Juli/August 2014)

 

 

zurück zur Seite "Choralschola"

01. Juli 2014