Quelle: "Volksstimme. de" (Sachsen-Anhalt), 27.11.2005

In der Stadtkirche St. Laurentius, Havelberg :
Großartige Aufführung von "Elias "

Mit der großartigen Aufführung des Oratoriums "Elias" erfüllte sich Domkantor Gottfried Förster am Sonnabend wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag seinen größten Traum. Der "Elias" war der absolute Höhepunkt der Musikdarbietungen des Jahres 2005 in der Domstadt.

Havelberg.   Den "Elias", das Meisterwerk des nur 38 Jahre alt gewordenen Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy, gab es in Havelberg noch nicht. So ließen die 600 Zuhörer die Geschichte um Leben und Wirken des alttestamentarischen Propheten mit seiner Leidenschaft, seinem unendlichen Vertrauen auf Gott und zum Schluss seiner Verzweiflung auf sich wirken.

Mit Kraft, einer warmen Stimme und Zartheit bei lyrischen Stellen in Gegensätzlichkeit zwischen seinem Wirken und der späteren Resignation wurde Prof. Gotthold Schwarz aus Leipzig dieser Aufgabe als Elias vollkommen gerecht. Sehr emotional wirkte sein Duett mit dem Knaben, den er zur Ausschau zum Meer schickte. Von der Kanzel antwortete Johannes Rhode aus Halle mit seinem Knabensopran sehr zart, aber wunderschön sauber und hoch. Solisten, Quartett und Doppelquartett sowie Chorszenen waren wie aus einem Guss.

Wer glaubte, eine Steigerung sei nicht mehr möglich, sah sich im zweiten Teil eines Besseren belehrt. Gleich zu Beginn glänzte Barbara Kind mit ihrer hohen, klaren und ausdrucksstarken Stimme in der großen Sopran–Arie "Höre, Israel". Förmlich inspiriert von der musikalischen Schönheit setzte der Chor mit seinem großen Chorpart "Fürchte dich nicht" die Spannung fort. Das Engelsterzett erzeugte den bekannten kalten Rückenschauer.

Die drei Chöre hatten sich in der harten Probenzeit der beiden Chöre aus Berlin–Mariendorf und des Havelberger Kantatenchores zu einer festen Chorgemeinschaft mit homogenem und ausdrucksstarkem Chorklang zusammengefügt. Bewundernswert, wie an manchen Chorstellen die Höhe der Soprane glänzte, sich der Alt homogen einfügte. Sorgenkind Tenor übertraf sich selbst und bildete an Stellen, in denen mit den Frauen im Wechsel gesungen oder der Chor leise Partien zu bestreiten hatte, eine schöne Einheit mit dem Bass.

Einfühlsam begleitete das Bachorchester Leipzig. Sehr dezent musizierten die Streicher bei Arienbegleitung. Der kräftige Blech- und weiche Holzbläserklang untermalte besonders die extrem gewaltigen Stellen bei der Darstellung der Naturgewalten. Der starke Chor übertraf erwartungsgemäß das Orchester. Voll Eindringlichkeit und musikalischer Schönheit stellte die Chorvereinigung ihr ganzes Können bei der Schilderung der Gottesbegegnung von Elias über Sturm, Erdbeben, Feuer und stillem, leichten Sausen mit großen dynamischen Gegensätzen unter Beweis.

Kennt man den Kantatenchor von Beginn an, kann man den "Elias" als bedeutendste und größte Leistung einschätzen. Ein unvergessliches und kaum zu übertreffendes Musikereignis!  Außerordentlicher Dank gebührt allen 200 Mitwirkenden unter Einstudierung und Leitung von Friedrich–Wilhelm Schulze, Michael Streckenbach und Domkantor Gottfried Förster.                                                              (Klaus - Joachim Lasch)


Quelle: "Der Prignitzer - online. 21.11.2005

"Elias" im Havelberger Dom

Zahlreiche Prignitzer als Solisten oder Chorsänger beteiligt

Havelberg • Musikalischen Hochgenuss erlebten etwa 500 Zuschauer am Sonnabend in der Havelberger St.-Laurentius-Kirche. Unter Leitung von Domkantor Gottfried Förster wurde das Elias-Oratorium von Felix Mendelssohn-Bartholdy dargeboten.

Drei Chöre mit insgesamt 150 Sängern, das Bachorchester Leipzig sowie acht Solisten – unter anderem Tilmann Kuhn (Bass) aus Perleberg, Dorothea Miseler (Sopran) aus Pritzwalk und Michael Schulze (Tenor) aus Kyritz – brachten das in den Jahren 1846 und 1847 entstandene oratorische Werk zur Aufführung.

Zur Verstärkung für das gewaltige Sangeswerk hatte sich der gastgebende Kantatenchor aus Havelberg, der von Gottfried Förster geleitet wird, mit zwei Chören aus Berlin-Mariendorf vereint – der Kantorei der evangelischen Martin-Luther-Gedächtnis-Gemeinde sowie dem Chor der katholischen Pfarrgemeinde "Maria Frieden".

Im Havelberger Kantatenchor sind auch etliche Sänger aus vielen Orten der Prignitz integriert. Mit der Aufführung, die bereits lange in seinem Kopf vor schwebte, bereitete sich der Domkantor sicherlich noch nachträglich ein tolles Geburtstagsgeschenk: Am Montag zuvor war er 60 Jahre alt geworden.

Der "Elias" ist eins von drei Oratorien des großen Komponisten. Sein erstes Oratorium "Paulus" wurde 1836 in Düsseldorf mit glänzendem Erfolg uraufgeführt, so dass er Pläne für ein weiteres Werk fasste.

1837 wurde das Grundkonzept für den "Elias" erarbeitet, einen biblischen Propheten. Allerdings geriet der Textschreiber mit seiner Aufgabe in Verzug, so dass diesen Part Pfarrer Julius Schubrig übernehmen musste – er hatte allerdings andere Ansichten als der Komponist. So konnte das Werk erst am 26.August 1846 in England uraufgeführt werden, beim Musikfest in Birmingham.

Es hatte unbeschreiblichen Erfolg. Anschließend wurde das Werk vom Komponisten nochmals überarbeitet. Mendelssohn-Bartholdys drittes Oratorium, der "Christus", blieb leider unvollendet.                (Ingo Freihorst)


 

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28.11.2005