Elias (Felix Mendelssohn Bartholdy)

Oratorium nach Worten des Alten Testaments, op. 70

Erster Teil

 

Einleitung - Elias

So wahr der Herr, der Gott Israels, lebet, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn.

Chor - Das Volk

Hilf, Herr! Hilf, Herr! Willst du uns denn gar vertilgen? Die Ernte ist vergangen, der Sommer ist dahin, und uns ist keine Hilfe gekommen! Will denn der Herr nicht mehr Gott sein in Zion?

Rezitativ

Die Tiefe ist versieget! Und die Ströme sind vertrocknet! Dem Säugling klebt die Zunge am Gaumen vor Durst! Die jungen Kinder heischen Brot! Und da ist niemand, der es ihnen breche!

Duett mit Chor - Das Volk

Herr, höre unser Gebet!

Zion streckt ihre Hände aus, und da ist niemand, der sie tröste.

Rezitativ - Obadjah

Zerreißet eure Herzen. und nicht eure Kleider! Um unsrer Sünden willen hat Elias den Himmel verschlossen durch das Wort des Herrn! So bekehret euch zu dem Herrn, eurem Gott, denn er ist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte und reut ihn bald der Strafe.

Arie - Obadjah

"So ihr mich von ganzem Herzen suchet, so will ich mich finden lassen", spricht unser Gott. Ach, daß ich wüßte, wie ich ihn finden und zu seinem Stuhle kommen möchte.

Chor - Das Volk

Aber der Herr sieht es nicht. Er spottet unser! Der Fluch ist über uns gekommen. Er wird uns verfolgen, bis er uns tötet! "Denn ich der Herr, dein Gott, ich bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied derer, die mich hassen. Und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich lieb haben und meine Gebote halten.

Rezitativ - Ein Engel

Elias! gehe weg von hinnen und wende dich gen Morgen, und verbirg dich am Bache Crith! Du sollst vom Bache trinken, und die Raben werden dir Brot bringen des Morgens und des Abends, nach dem Wort deines Gottes.

Doppelquartett

Die Engel

Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Rezitativ - Ein Engel

Nun auch der Bach vertrocknet ist, Elias, mache dich auf, gehe gen Zarpath und bleibe daselbst! Denn der Herr hat daselbst einer Witwe geboten, daß sie dich versorge. Das Mehl im Cad soll nicht verzehret werden, und dem Ölkruge soll nichts mangeln, bis auf den Tag, da der Herr regnen lassen wird auf Erden.

Rezitativ, Arie und Duett

Die Witwe

Was hast du an mir getan, du Mann Gottes! Du bist zu mir hereingekommen, daß meiner Missetat gedacht und mein Sohn getötet werde! Hilf mir, du Mann Gottes! Mein Sohn ist krank, und seine Krankheit ist so hart, daß kein Odem mehr in ihm blieb. Ich netze mit meinen Tränen mein Lager die ganze Nacht, du schaust das Elend, sei du der Armen Helfer! Hilf meinem Sohn! Es ist kein Odem mehr in ihm!

Elias

Gib mir her deinen Sohn! Herr, mein Gott, vernimm mein Flehn! Wende dich, Herr, und sei ihr gnädig, und hilf dem Söhne deiner Magd! Denn du bist gnädig, barmherzig, geduldig, und von großer Güte und Treue! Herr, mein Gott, lasse die Seele dieses Kindes wieder zu ihm kommen!

Die Witwe

Wirst du denn unter den Toten Wunder tun? Es ist kein Odem mehr in ihm!

Elias

Herr, mein Gott, lasse die Seele dieses Kindes wieder zu ihm kommen!

Die Witwe

Werden die Gestorbnen aufstehn und dir danken?

Elias

Herr, mein Gott, lasse die Seele dieses Kindes wieder zu ihm kommen!

Die Witwe

Der Herr erhört deine Stimme, die Seele des Kindes kommt wieder! Es

wird lebendig!

Elias

Siehe da, dein Sohn lebet!

Die Witwe

Nun erkenne ich, daß du ein Mann Gottes bist und des Herrn Wort in deinem Munde ist Wahrheit! Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohltat, die er an mir tut?

Elias

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen.

Elias und die Witwe

Von ganzer Seele, von allem Vermögen. Wohl dem, der den Herrn fürchtet.

Chor

Wohl dem, der den Herrn fürchtet und auf seinen Wegen geht! Wohl dem, der auf Gottes Wegen geht! Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis. Den Frommen geht das Licht auf von dem Gnädigen, Barmherzigen und Gerechten.

Rezitativ mit Chor

Elias

So wahr der Herr Zebaoth lebet, vor dem ich stehe: Heute, im dritten Jahre, will ich mich dem Könige zeigen, und der Herr wird wieder regnen lassen auf Erden.

Ahab

Bist du's, Elias, bist du's, der Israel verwirrt?

Das Volk

Du bist's, Elias, du bist's, der Israel verwirrt!

Elias

Ich verwirrte Israel nicht, sondern du, König, und deines Vaters Haus, damit, daß ihr des Herrn Gebot verlaßt und wandelt Baalim nach. Wohlan, so sende nun hin, und versammle zu mir das ganze Israel auf den Berg Carmel und alle Propheten Baals und alle Propheten des Hains, die vom Tische der Königin essen: da wollen wir sehn, ob Gott der Herr ist.

Das Volk

Da wollen wir sehn, ob Gott der Herr ist.

Elias

Auf denn, ihr Propheten Baals, erwählet einen Farren und legt kein Feuer daran, und rufet ihr an den Namen eures Gottes, und ich will den Namen des Herrn anrufen; welcher Gott nun mit Feuer antworten wird, der sei Gott.

Das Volk

Ja, welcher Gott nun mit Feuer antworten wird, der sei Gott.

Elias

Ruft euren Gott zuerst, denn eurer sind viele! Ich aber bin allein übergeblieben, ein Prophet des Herrn. Ruft eure Feldgötter und eure Berggötter!

Chor - Propheten Baals

Baal, erhöre uns! Wende dich zu unserm Opfer, Baal, erhöre uns! Höre uns, mächtiger Gott! Send uns dein Feuer und vertilge den Feind.

Rezitativ und Chor

Elias

Rufet lauter! Denn er ist ja Gott: er dichtet, oder er hat zu schaffen oder ist über Feld, oder schläft er vielleicht, daß er aufwache! Rufet lauter, rufet lauter!

Propheten Baals

Baal, erhöre uns, wache auf! Warum schläfst du?

Rezitativ und Chor

Elias

Rufet lauter! Er hört euch nicht! Ritzt euch mit Messern und mit Pfriemen

nach eurer Weise. Hinkt um den Altar, den ihr gemacht, rufet und weissagt! Da wird keine Stimme sein, keine Antwort, kein Aufmerken.

Propheten Baals

Baal! Baal! Gib uns Antwort, Baal! Siehe, die Feinde verspotten uns!

Elias

Kommt her, alles Volk, kommt her zu mir!

Arie - Elias

Herr Gott Abrahams, Isaaks und Israels, laß heut kund werden, daß du Gott bist und ich dein Knecht! Herr Gott Abrahams! Und daß ich solches alles nach deinem Worte getan! Erhöre mich, Herr, erhöre mich! Herr Gott Abrahams, lsaaks und Israels, erhöre mich, Herr, erhöre mich! Daß dies Volk wisse, daß du Herr Gott bist, daß du ihr Herz danach bekehrest!

Quartett

Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen, und wird den Gerechten nicht ewiglich in Unruhe lassen. Denn seine Gnade reicht soweit der Himmel ist, und keiner wird zu Schanden, der seiner harret.

Rezitativ mit Chor

Elias

Der du deine Diener machst zu Geistern und deine Engel zu Feuerflammen, sende sie herab!

Das Volk

Das Feuer fiel herab, Feuer! Die Flamme fraß das Brandopfer! Fallt nieder auf euer Angesicht! Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott! Der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr, und es sind keine andern Götter neben ihm.

Elias

Greift die Propheten Baals, daß ihrer

keiner entrinne, führt sie hinab an den Bach, und schlachtet sie daselbst!

Das Volk

Greift die Propheten Baals, daß ihrer keiner entrinne!

Arie - Elias

Ist nicht des Herrn Wort wie ein Feuer und wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt? Sein Wort ist wie ein Feuer und wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt. Gott ist ein rechter Richter, und ein Gott, der täglich droht: will man sich nicht bekehren, so hat er sein Schwert gewetzt und seinen Bogen gespannt und zielet!

Arioso

Weh ihnen, dass sie von mir weichen! Sie müssen verstöret werden, denn sie sind abtrünnig von mir geworden. Ich wollte sie wohl erlösen, wenn sie nicht Lügen wider mich lehrten. Ich wollte sie wohl erlösen, aber sie hören es nicht. Weh ihnen! Weh ihnen!

Rezitativ mit Chor

Obadjah

Hilf deinem Volk, du Mann Gottes! Es ist doch ja unter der Heiden Götzen keiner, der Regen könnte geben; so kann der Himmel auch nicht regnen; denn Gott allein kann solches alles tun.

Elias

0 Herr! du hast nun deine Feinde verworfen und zerschlagen! So schaue nun vom Himmel herab und wende die Not deines Volkes. Öffne den Himmel und fahre herab. Hilf deinem Knecht, o du mein Gott!

Das Volk

Öffne den Himmel und fahre herab. Hilf deinem Knecht, o du mein Gott!

Elias

Gehe hinauf, Knabe, und schaue zum

Meere zu, ob der Herr mein Gebet erhört.

Der Knabe

Ich sehe nichts: der Himmel ist ehern über meinem Haupte.

Elias

Wenn der Himmel verschlossen wird, weil sie an dir gesündigt haben, und sie werden beten und deinen Namen bekennen und sich von ihren Sünden bekehren, so wollest du ihnen gnädig sein. Hilf deinem Knecht, o du mein Gott.

Das Volk

So wollest du uns gnädig sein. Hilf deinem Knecht, o du mein Gott.

Elias

Gehe wieder hin und schaue zum Meere zu.

Der Knabe

Ich sehe nichts, die Erde ist eisern unter mir!

Elias

Rauscht es nicht, als wollte es regnen? Siehest du noch nichts vom Meere her?

Der Knabe

Ich sehe nichts!

Elias

Wende dich zum Gebet deines Knechts, zu seinem Flehn, Herr! Herr, du mein Gott! Wenn ich rufe zu dir, Herr, mein Gott, so schweige mir nicht! Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit.

Der Knabe

Es gehet eine kleine Wolke auf aus dem Meere, wie eines Mannes Hand; der Himmel wird schwarz von Wolken und Wind; es rauschet stärker und stärker!

Das Volk

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich.

Elias

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich!

Chor - Das Volk

Dank sei dir, Gott, du tränkest das durstge Land! Die Wasserströme erheben sich, sie erheben ihre Brausen. Die Wasserwogen sind groß und brausen gewaltig. Doch der Herr ist noch größer in der Höhe.

Zweiter Teil

Arie

Höre, Israel, höre des Herrn Stimme! Ach, dass du merktest auf sein Gebot! Aber wer glaubt unsrer Predigt, und wem wird der Arm des Herrn geoffenbart?

Rezitativ

So spricht der Herr, der Erlöser Israels, sein Heiliger, zum Knecht, der unter den Tyrannen ist, so spricht der Herr:

Arie

Ich bin euer Tröster. Weiche nicht, denn ich bin dein Gott! Ich stärke dich! Wer bist du denn, daß du dich vor Menschen fürchtest, die doch sterben? und vergissest des Herrn, der dich gemacht hat, der den Himmel ausbreitet und die Erde gegründet. Wer bist du denn?

Chor

Fürchte dich nicht, spricht unser Gott, fürchte dich nicht, ich bin mit dir, ich helfe dir! Denn ich bin der Herr, dein Gott, der zu dir spricht: Fürchte dich nicht! Ob tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen.

Rezitativ mit Chor

Elias

Der Herr hat dich erhoben aus dem Volk und dich zum König über Israel gesetzt. Aber du, Ahab, hast Übel getan über alle, die vor dir gewesen sind. Es war dir ein Geringes, dass du wandeltest in der Sünde Jerobeams und machtest dem Baal einen Hain, den Herrn, den Gott Israels zu erzürnen; du hast totgeschlagen und fremdes Gut genommen! Und der Herr wird Israel schlagen, wie ein Rohr im Wasser bewegt wird und wird Israel übergeben um eurer Sünde willen.

Die Königin

Habt ihrs gehört, wie er geweissagt hat wider dieses Volk?

Das Volk

Wir haben es gehört!

Die Königin

Wie er geweissagt hat wider den König in Israel?

Das Volk

Wir haben es gehört!

Die Königin

Warum darf er weissagen im Namen des Herrn? Was wäre für ein Königreich in Israel, wenn Elias Macht hätte über des Königs Macht? Die Götter tun mir dies und das, wenn ich nicht morgen um diese Zeit seiner Seele tue wie dieser Seelen einer, die er geopfert hat am Bache Kison.

Das Volk

Er muss sterben!

Die Königin

Er hat die Propheten Baals getötet.

Das Volk

Er muss sterben!

Die Königin

Er hat sie mit dem Schwert erwürgt.

Das Volk

Er hat sie erwürgt.

Die Königin

Er hat den Himmel verschlossen.

Das Volk

Er hat den Himmel verschlossen.

Die Königin

Er hat die teure Zeit über uns gebracht.

Das Volk

Er hat die teure Zeit über uns gebracht.

Die Königin

So ziehet hin und greift Elias, er ist des Todes schuldig. Tötet ihn, laßt uns ihm tun, wie er getan hat.

Chor - Das Volk

Wehe ihm, er muss sterben! Warum darf er den Himmel verschließen? Warum darf er weissagen im Namen des Herrn? Dieser ist des Todes schuldig! Wehe ihm, er muß sterben, denn er hat geweissagt wider diese Stadt, wie wir mit unsern Ohren gehört. So ziehet hin, greifet ihn, tötet ihn!

Rezitativ

Obadjah

Du Mann Gottes, lass meine Rede etwas vor dir gelten! So spricht die Königin: Elias ist des Todes schuldig; und sie sammeln sich wider dich, sie stellen deinem Gang Netze und ziehen aus, daß sie dich greifen, daß sie dich töten! So mache dich auf und wende dich von ihnen, gehe hin in die Wüste. Der Herr, dein Gott wird selber mit dir wandeln, er wird die Hand nicht abtun noch dich verlassen. Ziehe hin und segne uns auch!

Elias

Sie wollen sich nicht bekehren! Bleibe hier, du Knabe; der Herr sei mit euch. Ich gehe hin in die Wüste!

Arie

Elias

Es ist genug! So nimm nun, Herr, meine Seele! Ich bin nicht besser denn meine Väter. Ich begehre nicht mehr zu leben, denn meine Tage sind vergeblich gewesen. Ich habe geeifert um den Herrn, um den Gott Zebaoth, denn die Kinder Israels haben deinen Bund verlassen, und deine Altäre haben sie zerbrochen, und deine Propheten mit dem Schwert erwürgt. Und ich bin allein übrig geblieben; und sie stehn danach, daß sie mir mein Leben nehmen! Es ist genug! So nimm nun, Herr, meine Seele! Ich bin nicht besser denn meine Väter. Nimm nun, o Herr, meine Seele!

Rezitativ

Siehe, er schläft unter dem Wacholder in der Wüste, aber die Engel des Herrn lagern sich um die her, so ihn fürchten.

Terzett - Drei Engel

Hebe deine Augen auf zu den Bergen, von welchen dir Hilfe kommt. Deine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

Chor

Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. Wenn du mitten in Angst wandelst, so erquickt er dich.

Rezitativ

Ein Engel

Stehe du auf, Elias, denn du hast einen großen Weg vor dir! Vierzig Tage und vierzig Nächte sollst du gehn bis an den Berg Gottes Horeb.

Elias

0 Herr, ich arbeite vergeblich und bringe meine Kraft umsonst und unnütz zu. Ach, daß du den Himmel zerrissest und führest herab! Daß die Berge vor dir zerflössen! Daß deine Feinde vor dir zittern müßten durch die Wunder, die du tust! Warum lässest du sie irren von deinen Wegen und ihr Herz verstecken, daß sie dich nicht fürchten? 0 daß meine Seele stürbe!

Arie - Ein Engel

Sei stille dem Herrn und warte auf ihn; der wird dir geben, was dein Herz wünscht. Befiehl ihm deine Wege und hoffe auf ihn. Steh ab vom Zorn und laß den Grimm. Sei stille dem Herrn und warte auf ihn.

Chor

Wer bis an das Ende beharrt, der wird selig.

Rezitativ

Elias

Herr, es wird Nacht um mich; sei du nicht ferne! Verbirg dein Antlitz nicht vor mir! Meine Seele dürstet nach dir wie ein dürres Land.

Der Engel

Wohlan denn, gehe hinaus und tritt auf den Berg vor den Herrn, denn seine Herrlichkeit erscheint über dir! Verhülle dein Antlitz, denn es naht der Herr.

Chor

Der Herr ging vorüber, und ein starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging vor dem Herrn her, aber der Herr war nicht im Sturmwind. Der Herr ging vorüber, und die Erde erbebte, und das Meer erbrauste, aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles sanftes Sausen. Und in dem Säuseln nahte sich der Herr.

Rezitativ

Seraphim standen über ihm, und einer rief zum andern:

Quartett mit Chor - Seraphim

Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr Zebaoth. Alle Lande sind seiner Ehre voll.

Chor und Rezitativ

Gehe wiederum hinab! Noch sind übrig geblieben siebentausend in Israel, die sich nicht gebeugt vor Baal. Gehe wiederum hinab, tue nach des Herren Wort!

Elias

Ich gehe hinab in der Kraft des Herrn! Du bist ja der Herr! Ich muß um deinetwillen leiden, darum freuet sich mein Herz, und ich bin fröhlich; auch mein Fleisch wird sicher liegen.

Arioso - Elias

Ja, es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber deine Gnade wird nicht von mir weichen, und der Bund deines Friedens soll nicht fallen.

Chor

Und der Prophet Elias brach hervor wie ein Feuer, und sein Wort brannte wie eine Fackel. Er hat stolze Könige

gestürzt. Er hat auf dem Berge Sinai gehört die zukünftige Strafe und in Horeb die Rache. Und da der Herr ihn wollte gen Himmel holen, siehe, da kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen, und er fuhr im Wetter gen Himmel.

Arie

Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wonne und Freude werden sie ergreifen. Aber Trauern und Seufzen wird vor ihnen fliehen.

Rezitativ

Darum ward gesendet der Prophet Elias, eh denn da komme der große und schreckliche Tag des Herrn: er soll das Herz der Väter bekehren zu den Kindern und das Herz der Kinder zu ihren Vätern; daß der Herr nicht komme und das Erdreich mit dem Banne schlage.

Chor

Aber einer erwacht von Mitternacht, und er kommt vom Aufgang der Sonne. Der wird des Herrn Name predigen und wird über die Gewaltigen gehen; das ist sein Knecht, sein Auserwählter, an welchem seine Seele Wohlgefallen hat. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn: der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rats und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn. Aber einer erwacht von Mitternacht. Und er kommt vom Aufgang der Sonne.

Quartett

Wohlan, alle die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser, kommt her zu ihm! Wohlan, alle die ihr durstig seid, kommt her zu ihm, und neigt euer Ohr, und kommt zu ihm, so wird eure Seele leben.

Schlusschor

Alsdann wird euer Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und eure Besserung wird schnell wachsen; und die Herrlichkeit des Herrn wird euch zu sich nehmen. Herr unser Herrscher! wie herrlich ist dein Name in allen Landen, da man dir danket im Himmel. Amen.

Quelle: J. Vogelsänger, Kirchenmusikdirektor, St. Johannis in Lüneburg

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Bearbeitungsdatum: 13.11.05