Leistung - christlich-anthropologisch gedeutet und schulpraktisch adaptiert

Gemäß der Offenbarung der Bibel (Gen 1,28;2,19) erhielt der Mensch von Gott den Auftrag die Welt zu gestalten. Diese Verkündigung erlaubt die ehrenhafte Titulierung des Menschen als Mitschöpfer (nach Thomas von Aquin) in der Schöpfung Gottes. Das Mitschöpfertum des Menschen verlangt nach Ziel und Plan, wenn die Welt durch absichtliches oder ungewolltes Handeln nicht geschädigt werden soll. Weil der einzelne Mensch auch Teil der Schöpfung ist, wird er in seinem Entwicklungsprozess sogar für sich selbst zur Aufgabe. Er muss sie jedoch nicht pathologisch manisch lösen, wie beim Versuch des Turmbaus zu Babel.

Immerhin ist der Mensch bei der Gestaltung des eigenen Lebens intellektuell darauf angewiesen - und biologisch gesehen sogar gezwungen - zwischen Besserem oder Schlechterem Entscheidungen zu treffen, von denen sein Platz in der Welt abhängt. Dafür benötigt er einen Maßstab, den er selbst erstellt oder als erstrebenswert akzeptiert. Auch in der Setzung oder Anerkennung seiner Anspruchskriterien kann er durch die Offenheit seiner Verhaltensmöglichkeiten im materiellen Rahmen und mit ethischen Konsequenzen grundsätzlich  frei handeln. Sein eigener Maßstab lässt ferner eine Beurteilung zu, inwiefern sein Handeln und das Ergebnis seines Handelns als Leistungen dem von ihm selbst bewusst gewollten Anspruchsniveau genügen. Der Mensch muss allerdings von Grund auf lernen sich zur Verhaltensauswahl zu entscheiden. Wertbezogen und damit ranghöher muss er zudem die Konzeption seines Bewertungsmaßstabes erproben und mit dem Ziel der Akzeptanz im sozialen Kontext anbieten, um sich zu bewähren und zu korrigieren.

Gerade in der Schule empfinden Kinder ihren Lernweg als Kette einzelner Resultate oder Vorgänge der eigenen Arbeit. Die zugehörige Beurteilung dient dem Schüler zur Erklärung über die Wirkung der eigenen oder gemeinschaftlich erreichten Leistung und verhilft ihm zur schrittweisen Erkenntnis seiner selbst (Selbstbewusstsein) und der Zweckmäßigkeit oder sogar Sinnhaftigkeit seines Handelns. Erfolg und Scheitern individueller und partnerschaftlicher Anstrengungen dienen in den katholischen Schulen mit ihrem christlichen Menschenbild als Zwischenstationen der Persönlichkeitsentwicklung zu dem von Jesus Christus verheißenen Ziel eines Lebens "in Fülle" (Joh 10,10) für jeden Menschen.

Dieser sinnvolle Prozess positiv gestimmten Lernens wirkt sich bis in die ethische Mitte der Persönlichkeit aus und fördert die Entwicklung von Werturteilsfähigkeit und Sachinteresse und auch Lernfreude verbunden mit Selbstvertrauen trotz mancher Momente der Fremd- und Selbstkritik. Der Sinn und die unbedingte Notwendigkeit des Lernens werden konkret erfahrbar im Engagement für selbst gewollte Zwecke. So kann die schulisch initialisierte Arbeit zum Vergnügen werden.

Schulisch intendiertes Lernen muss durch Einsicht gelenkt werden. Schulische Leistungen - sowohl prozess- wie auch ergebnisbezogen - sollten mittels argumentativer und transparenter Kriterien beurteilt werden, damit der Schüler zur Selbstbewertung und zur Entwicklung eines zutreffenden Selbstbildes Hilfe erhält.

Die von den Schülern gewünschte Gerechtigkeit muss neben dem sachlichen Verweis auf die absolute Zielsetzung auch relative Anwendung finden, indem der aktuelle Lernfortschritt des Schülers gegenüber seinen früheren Leistungen bestätigt und er zur Fortsetzung dieser Entwicklung ermutigt wird. Leistungsdruck und der andauernde Primat von Zensuren können allerdings eine Behinderung der Lernentwicklung darstellen.

Weil der Mensch seine sozialen Eigenschaften und Fähigkeiten nur im Miteinander persönlicher Beziehungen erkennt und weiterbildet, benötigt er Lernfelder einer Gruppe oder Partnerschaft. Nicht zuletzt wegen der Aufforderung zur Nächstenliebe und um den destruktiven Haltungen von Neid, Missgunst, Eifersucht und Rivalität entgegenzusteuern, müssen zum Nutzen des Einzelnen wie des Kollektivs Maßnahmen zur Stärkung der Solidarität durch Kooperation und wechselseitige Hilfe gefördert werden. Der Auftrag zur optimalen Förderung aller Schüler einer Klasse enthält immer die Aufgabe stets die leistungsschwächeren Schüler zu unterstützen, weil alle zusammen die Gemeinschaft bilden.

Leistung geschieht sowohl individuell eigenständig als auch in den Beziehungen mit einer Gemeinschaft und dies oft sogar gleichzeitig als eine mitlaufende Sinnverwirklichung. Doch ist das Menschsein nicht zuerst in der Leistung begründet; vielmehr gründet es in der Liebe Gottes für den Menschen vor aller Leistung. Weil der Mensch von Gott geliebt wird, ist er schon von Anfang an in die Lage versetzt sich grundsätzlich anerkannt fühlen zu dürfen und auch zu können.

© A. Knak-Hermanns, 1999, 2004, 2009 und 2015

........das Entwicklungs- und Lernmodell von Maria Montessori...........

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Bearbeitungsdatum: 14.04.2015